Yamada DVR-8000
Erste Fassung: 0.9 - Stand: 11.12.2003 / Letzte Fassung: 0.92 - Stand: 14.12.2003


Zweifellos werden digitale Speichermedien - sei es auf Scheibe, Festplatte oder Festspeicher - im Laufe der Zeit die alten analogen Aufnahme- und Wiedergabesysteme ablösen, bisher sind viele dieser Versuche allerdings im Ansatz steckengeblieben, weil die Geräte entweder zu teuer oder unflexibel konzipiert waren. Und es wird sicherlich noch einige Zeit dauern, bis die Industrie begriffen hat, daß die Kombination zwischen Kabel/SAT-Tuner, DVD-Brenner, DVD-Player, Festplattenrecorder etc nur der einzig zukunftsweisende Weg ist, sofern er für den Endkunden auch günstig genug angeboten werden kann. Da die meisten Kombi-Geräte noch in der Entwicklung, oder viel zu teuer sind, stellen einfache DVD-Recorder mit eingebautem Kabeltuner und analogen Eingängen durchaus eine gute Alternative dar, vor allem weil sie sich preislich mittlerweile deutlich unter € 400,- ansiedeln.

Mit dem DVR-8000 bietet die Firma Umax / Yamada nun einen DVD-Recorder an, der den heimlischen VHS-Videorecorder voll ersetzen soll. Und tatsächlich bietet der Recorder von seiner Funkionalität und Anschlussfreudigkeit alles was die alte VHS-Gurke auch konnte, inklusive aller Anschlüsse eines normalen DVD-Players (ohne 5.1 Decoder). Die Optik des Recorders ist dabei recht ordentlich gelungen, und bietet auf der Frontseite nur die notwendigsten Bedientasten. Erfreulich für Camcorder-Besitzer sind die analogen Audio- und Video-Anschlüsse, die sich vorne hinter einer kleinen Plastikklappe verbergen.

Anschlüsse auf der Rückseite:

Leider bietet das Gerät keine digitalen Firewire-Eingänge, was aber aufgrund des relativ geringen Preises von € 299,- nicht unbedingt zu erwarten war. Immerhin werden auf der Rückseite sowohl ein weiterer S-Video/Fbas-Eingang sowie ein SCART-Eingang angeboten, sodaß insgesamt drei vollwertige Audio/Video-Eingänge zur Verfügung stehen. Desweiteren sind ein RGB/YUV-fähiger SCART-Ausgang, S-Video & Fbas Anschlüsse, sowie ein Cinch-YUV-Ausgang vorhanden. Da der Recorder selbst keinen 5.1/DTS-Decoder besitzt sind die digitalen Ausgänge natürlich besonders wichtig - hier sind ebenfalls coaxiale und optische Buchsen zu finden. Einen Netzschalter sucht man ebenfalls vergeblich, sodaß sich der Player - einmal am Strom angeschlossen - bestenfalls in den Standby Betrieb versetzen lässt. Da auch der DVR-8000 gelegentlich abstürzt bleibt auch hier nur der Griff zur Stromdose.

Fernbedienung:

Die Fernbedienung entspricht dem Standard der meisten Billigplayer, ist nur etwas anders belegt. Trotz einer Vielzahl von zusätzlichen Funktionen werden aber alle sonst üblichen Tasten und Funktionen - bis auf Zoom - angeboten, die auch ein Standard-DVD-Player bieten kann. Die Handhabung und Ergonomie ist halbwegs brauchbar, aber auch nicht so optimal, um das Gerät relativ schnell blind betreiben zu können



Das Setup

Mal was anderes. Die Setup-Einstellungen unterscheiden sich sowohl von der Optik als auch Anzahl der verfügbaren Optionen relativ stark von den meisten normalen DVD-Playern. Dabei gefällt auf den ersten Blick die ansprechende Optik, die einem einfachen Windows GUI nicht ganz unähnlich ist. Doch leider wird dieser Eindruck schnell von der recht trägen Bedienung getrübt. Man kann der Anzeige zwar nicht beim Aufbau zuschauen, aber das Navigieren geht halt nicht so schnell, wie man es von den meisten DVD-Playern gewöhnt ist (mit Ausnahme einiger Zoran Vaddis IV Player, die ähnlich träge reagieren). Die DVD-Player spezifischen Einstellungen entsprechen dem Standard, und bieten keine nennenswerten Besonderheiten. Hinzu kommen Einstellungen für die Aufnahme, den Kabel-Tuner und die Uhr, die sich dummerweise nicht im 24 Stunden Format einstellen lässt (lediglich 1-12 AM/PM). Sehr ärgerlich fällt bezüglich der Uhrzeit auf, daß diese nicht behalten wird, wenn der Player vom Netz getrennt wird. Man muss sie dann jedesmal neu einstellen. Die Tunereinstellungen sind einfach und funktionell, bieten aber keinen Komfort bezüglich Senderanordnung und Sendernamen.

DVD-Player-Funktionen

Normale DVDs und auch alle wiederbeschreibbaren Formate kann der DVR-8000 natürlich auch spielen. Zunächst fällt auf, daß er ein wenig länger braucht, um eine DVD zu erkennen, vor allem wenn es sich um einen beschreibbaren Rohling handelt. Der Grund hierfür dürften die erweiterten Analyse-Funktionen sein, die der Recorderteil ausführen muss, um eine normale Film-DVD von einem Aufnahmemedium zu unterscheiden. Die Bildqualität ist ordentlich, hier bietet der DVR-8000 nichts ungewöhnliches. Optional zur direkten Anwahl mit den entsprechenden Tasten auf der Fernbedienung können die meisten DVD-typischen Funktionen auch über das einblendbare OSD (Taste: NAVIGATION) ausgeführt werden. Der Player bietet hier alles, was man braucht. Etwas ungewöhnlich ist die Implementation einer Programmier-Funktion und der Zufallswiedergabe für DVD-Titel, welches von kaum einem Player in dieser Form angeboten wird. So können beliebige Titel oder auch einzelne Kapitel zu einer editierbaren Playlist (FAVORITEN) zusammengestellt, und hintereinander abgespielt werden. Der Zufallsmodus funktioniert nur innerhalb eines Titels, und spielt die einzelnen Kapitel zufällig ab. Dabei funktioniert dieser im "exklusiven" Modus, was bedeutet, daß jeder Track nur ein einziges Mal abgespielt wird, und sogar zwischen den Tracks vor- und zurückgesprungen werden kann, ohne daß sich dabei die Abspielreihenfolge ändert. In diesem Punkt macht die Software des Players einen recht durchdachten Eindruck.

Bezüglich verschiedener Medien spielt der DVR-8000 alle Standard-Formate, und auch XDVDs mit alternativen Auflösungen (480x576 von DVB oder SVCD etc). Etwas zickig zeigt sich das Laufwerk bei Billigrohlingen, die eine etwas bessere Fehlerkorrektur verlangen. So hat er erhebliche Probleme mit bestimmten DVD-R und DVD+RW Medien, die sich zwar auf einem PC-Laufwerk mit guter Fehlerkorrektur abspielen lassen, aber auf einigen - aber nicht allen - DVD-Playern Ruckler produzieren. Man sollte also möglichst nicht die allerbilligsten DVD-Rohlinge (und schon gar keine PRINCOs) verwenden. Zu diesem Thema gibt es noch einen weiteren Absatz weiter unten (Scheiben-Kompatibilität)

Der Player wird vom Hersteller ausschliesslich für Region 2 DVDs ausgeliefert. Der Code kann aber sowohl auf eine beliebige andere Region, als auch auf "codefree" eingestellt werden. Hierzu muss die Schublade geöffnet werden, und die Tastenkombination "0-0-8-6-0-0" gefolgt vom Regioncode oder der "0" für codefree eingegeben werden.

VideoCD, SVCD und MiniDVD

Standard VideoCDs und SVCDs kann der DVR-8000 auch abspielen, mit XSVCDs und ähnlichem hat er allerdings teilweise erhebliche Probleme. Manche XSVCDs spielt er gar nicht erst an, bei anderen gibt's die klassischen Bildruckler. Besonders alternative Auflösungen und anamorphe Bildinhalte bei SVCDs machen ihm zu schaffen, wohingegen er mit höheren Datenraten etwas besser klarkommt. Immerhin verfügt er über einen abschaltbaren PBC-Modus und kommt auch mit mehreren Audio-Spuren auf einer SVCD klar. Untertitel sind interessanterweise anwähbar, werden aber einfach nicht dargestellt. MiniDVDs oder MPG-CDs schluckt er überhaupt nicht. Insgesamt erfüllt er aber die notwendigsten Standards bezüglich der - sterbenden - (S)VideoCD-Formate.

Audio- und MP3-Betrieb

Im AudioCD-Betrieb gefällt die recht gut gelungene Playlist und Navigations-Darstellung. Hier bieten die meisten Player fast gar nichts vergleichbares. Sowohl Titelprogrammierung als auch ein guter Zufallsmodus stehen hier zur Verfügung. Wenn die Fernbedienung noch etwas fixer reagieren würde, wäre dies sicherlich noch optmaler gelöst. Leider leidet auch der Yamada DVR-8000 an der "Audio-CD-Track-Übergangs-Krankheit". Dies bedeutet, das Titel, die ohne Pause hintereinander gespielt werden müssten, durch einen kurzen Aussetzer getrennt werden, was besonders bei Klassik- oder Live-CDs sehr störend wirkt.

Ähnlich des SMART-NAVI Menüs der bekannten ESS-Player wird für alle Playlist-Modi (AudioCD, DVD, MP3) die gleiche Optik verwendet, was hier durchaus Sinn macht. Die MP3-Darstellung kann zwar nicht mit ID3-Tags aufwarten, zeigt die Ordner und Titel aber immerhin bis ca. 20 Zeichen an. Bei der Erstellung der MP3-CDs oder DVDs sollte jedoch auf eine sinnvolle Bezeichnung geachtet, und insbesondere die Namen der einzelnen Titel möglichst mit Tracknummer - Titel bezeichnet werden. Mit Hilfe der Playlist können ganze Ordner zusammengestellt und hintereinander abgespielt werden. Leider funktioniert der Zufallsmodus wieder nur im aktuellen Ordner, und lässt sich auch nicht auf die Playlist anwenden (siehe OMEGA-DVD). Dennoch kann die MP3-Bedienung, die zwar wieder sehr räge ist, deutlich Punkte gegenüber der ESS-Konkurrenz gutmachen, vor allem weil die Bedienung - Track- und Abspielmodus-Wechsel - auch während der Wiedergabe möglich ist. Die Kompatibilität zu verschiedenen MP3-Formaten ist ordentlich. Die, in der Anleitung beschriebene, Inkompatibilität zu VBR konnten wir in unseren Tests nicht nachvollziehen.

DVD-Medienverwaltung für +R/RW

Der DVR-8000 kann sowohl +R als auch +RW bespielen. Bevorzugtes Format zum Test ist hier eindeutig DVD+RW, da +R sich deutlich unflexibler handhaben, und eben nicht wieder neu beschreiben lässt. Dies ist dann auch der grundlegenste Unterschied zwischen den beiden Formattypen zur Aufnahme, denn einige der Editfunktionen stehen nur bei +RW zur Verfügung (Löschen und nachträgliches Editieren beispielsweise). Damit eine Scheibe überhaupt beschrieben werden kann, muss sie zunächst formatiert werden. Dies kann über ein Medien-Menü, welches mit der Taste DISC OPER aufgerufen wird, durchgeführt werden. Dabei löscht der Player die DVD nicht komplett, sondern nur die TOC-Bereiche, was ca. eine Minute dauert. Dummerweise verlangen aber einige der etwas günstigeren DVD+RW Medien zur besseren Kompatibilität eine Komplettformatierung, die der Player nicht bieten kann. In diesem Fall empfiehlt es sich, das Medium mit dem PC-Brenner einmal komplett zu formatieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die DVD-Player-Kompatibilität. Diese ist nämlilch nur dann gewährleistet, wenn sie nach mindestens einer fertigen Aufnahme mindestens einmal pro Scheibe manuell hergestellt wird. Normale DVD-Player würden das Medium ansonsten einfach nicht akzepieren. Allerdings können auch solche Medien mit dem Recorder weiter beschrieben werden, mit der Ausnahme, daß bestimmte Edit-Funktionen nach Herstellung der Kompatibilität nicht mehr funktionieren. Mit den weiteren Funktionen dieses Menüs können die zuletzt aufgenommenen Titel gelöscht, und ein Schreibschutz auf die Scheibe geschrieben werden.

Aufnahme und Wiedergabe

Grundsätzlich gestaltet sich das Aufnehmen recht simpel durch einfaches Betätigen der RECORD Taste. Interessanterweise ist es uns nicht gelungen die Standard-Aufnahme-Quelle, die man im Setup einstellen kann, direkt auch auszuwählen. Stattdessen muss die INPUT Taste jedesmal beim Wechsel vom Wiedergabe- in den Aufnahmemodus solange hintereinander gedrückt werden, bis die gewünschte Quelle eingestellt ist. Dies ist vor allem dann sehr lästig, wenn eine Quelle ganz hinten in der Liste (Tuner -> Front AV -> Front S -> Rear AV ->Rear S -> SCART) gewünscht wird. Alternativ kann die Quelle aber auch über das NAVIGATION-Menü (siehe Taste auf der Fernbedienung) ausgewählt werden. Hier ist es dann ebenfalls möglich die Qualität einzustellen (dazu aber noch später). Ein mehrfaches Drücken der Aufnahme-Taste aktiviert das sogenannte (O)ne (T)ouch (R)ecording, mit dem die Aufnahmezeit um jeweils 30 Minuten bis zur maximalen Restspielzeit erhöht werden kann. Im Gegensatz zum TEVION DWR-1000 ist der DVR-8000 in der Lage, das Eingangssignal verlustfrei durchzuschleifen, auch wenn sich der Player nicht im Aufnahmemodus befindet.

Eine laufende Aufnahme kann zwischenzeitlich angehalten werden und durch einen einfachen Druck auf die Aufnahme-Taste direkt forgesetzt werden. Das Fortsetzen der Aufnahme geht fast zeitgleich mit Tastendruck. Ein Wechsel des Signaleingangs ist im Aufnahmemodus allerdings nicht möglich. Soll ein Track beendet werden, benötigt der Player nach Drücken der STOP-Taste ein paar Sekunden (ca. 12), um den Track abzuschliessen. Für jede Aufnahme wird ein einzelner Titel angelegt, der in das dynamisch erzeugte Auswahlmenü übernommen wird. Positiv fällt auf, daß der Player nach Drücken der STOP-Taste nicht gleich in den Wiedergabemodus schaltet, sondern direkt weitere Aufnahmen erlaubt. Erst ein Druck auf die PLAY-Taste wechselt in das Wiedergabemenü.

Jede weitere Aufnahme - auch wenn der DVD-Player-Kompatibilitätsmodus für diese Scheibe aktiviert wurde - wird dann als neuer Titel mit einem entsprechenden Symbol und Betitelung angefügt. Die Titel können dann aber auch noch ein wenig nachbearbeitet werden. Das EDIT-Menü stellt verschiedene Funktionen zur Verfügung, die das Editieren von Kapiteln, Symbolbildern und der Betitelung erlauben. Die Textzeilen zum Aufnahme-Datum und Qualität können allerdings nicht geändert werden. Der Texteditor ist einfach gehalten und recht funktional. Die Länge des Titels ist auf neun Zeichen begrenzt. Da die aufgenommenen MPEG-Daten nicht wirklich geschnitten werden können, gibt es jedoch die Möglichkeit einzelne Kapitel auszublenden. So können unerwünschte Videoteile wegmaskiert werden, ohne daß der Platz dafür jedoch für neue Aufnahmen zur Verfügung steht. Natürlich können versehentlich gesetzt Kapitelmarkierungen auch wieder gelöscht, und versteckte wieder sichtbar gemacht werden. Diese einfachen, aber sehr effektiven, Funktionen erlauben es zumindest passende Start- und Endmarkierungen für jeden Titel zu setzen, was bei einer Echtzeitaufnahme nur selten per Hand gelingt.

Ein interessantes Feature des Recorders ist seine Fähigkeit sowohl PAL als auch NTSC-Quellen aufnehmen zu können. Dies ist ein erheblicher Vorteil im Vergleich zu den meisten VHS-Videorecordern, die in Europa erhältlich sind. Gemischte PAL/NTSC DVDs verbietet allerdings der DVD-Standard, und werden vom Recorder auch nicht erlaubt. Immerhin ist es nun mit einem geeigneten NTSC-abspielfähigen VHS-Recorder möglich NTSC Kassetten ohne grosse Probleme auf DVD zu sichern. PAL60-fähige Videorecorder sind jedoch nicht geeignet, da der DVD-Recorder sich darauf nicht richtig synchronisieren kann bzw. nur ein schwarze-weiss Bild aufzeichnet - nunja, ein Versuch war's wert.

Original-DVDs kopieren

Es macht ja nicht wirklich Sinn Original-DVDs über analoge Eingänge zu kopieren, da sowohl Bild- als auch Tonqualität in keinem Fall mit einer digitalen Kopie - selbst wenn sie mit einem der Shrinker-Tools runtergerechnet wurde - rankommen können. Zudem wird das Kopieren von Original-DVDs durch den Kopierschutz, den auch der DVD-Recorder erkennt, verhindert. Ein Versuch mit beim DVR-8000 mit der Meldung "Unterbrechnung wegen Kopierschutz" quittiert.

Kabel-Tuner (unvollständig)

Im Haupt-Setup lässt sich über die Tunerkonfiguration ein Kanalsuchlauf starten. Gefundene Kanäle werden dann in einer Liste angezeigt. Allerdings biete der Recoder hier einen extrem spartanischen Bedienkomfort, der diese Beschreibung eigentlich nicht wirklich verdient. So können die Kanäle weder umsortiert noch betitelt werden. Immerhin lassen sich unerwünschte Kanäle zwecks Übersicht ausmaskieren. Desweiteren verfügt der DVR-8000 über eine Kanal-Feineinstellung, wie man sie auch von normalen Videorecordern gewohnt ist.

Timer-Programmierung

Über die Timertaste wird der sogenannte Aufnahmeplaner aufgerufen. Hier können nun verschiedene Aufnahme-Timer eingetragen werden, wobei insbesondere bei der Zeitangabe wieder das amerikanische Zeitsystem AM/PM für Verwirrung sorgt. Ansonsten können Aufnahmen auch täglich und wöchentlich geplant werden, aber leider wird hier weder ShowView noch VPS unterstützt, wie dies beispielsweise der TEVION DWR-1000 anbietet. Grundsätzlich funktioniert der Timer allerdings ganz ordentlich. Gut ist auch, daß bereits abgelaufene Timer nicht automatisch gelöscht werden, damit sie für weitere Aufnahmen, bei denen die Parameter ähnlich sind, weiter verwendet werden können.

Encoder-Qualität

Die Aufnahmequalität kann in vier Stufen - HQ, SP, EP, SLP - eingestellt werden. Natürlich sind Spielzeit und Qualität direkt voneinander abhängig, sodaß für das vorhandene Quellmaterial genau abgewogen werden sollte, welche Qualitätsstufe nun verwendet werden soll. Die folgende Tabelle zeigt die verfügbaren Stufen inklusive der zugrundeliegenden Encoding-Varianten:

Modus

Spielzeit (ca)

Auflösung
Format
Bitrate (nominal)
Bitrate (avg)
Qualität
HQ
60 min
720 x 576 (PAL)
MPEG-2
9000 Kbits
8500-9000 Kbits
Gut bis sehr gut
SP
120 min
720 x 576 (PAL)
MPEG-2

9396 Kbits

4000-4500 Kbits
Gut, in Extremfällen mit sichtbaren Artefakten
EP
240 min
352 x 576 (PAL)
MPEG-2
9396 Kbits
2000-2200 Kbits
Mittelprächtig, deutlicher Schärfeverlust.
SLP
360 min
352 x 288 (PAL)
MPEG-1
1500 Kbits
1500 Kbits
Extrem unscharf, etwas besser als VideoCD

Glatt gelogen ist die Angabe der meisten Hersteller, daß im EP oder SLP Modus eine mit VHS vergleichbare Qualität erzielt wird. Bestenfalls der SP-Modus ist mit einer guten VHS-Aufnahme zu vergleichen, und der HQ-Modus eher mit S-VHS. Und auch im SP-Modus mit einer geschätzten Spielzeit von ca. 120 Minuten sind vereinzelt Artefakte zu zu erkennen, vor allem, wenn die Ausgangsqualität eher schlecht ist. Im EP-Modus liefert der Recorder eine durchaus gute Qualität, wenn das Ausgangsmaterial von DV oder einer anderen hochqualitativen Quelle kommt. Der Schärfeverlust ist allerdings deutlich sichtbar, sodaß sich diese Einstellung nicht unbedingt für wertvolle Langzeitarchivierung eignet. Interessant ist der EP-Modus, der immerhin 4 Stunden Aufnahmezeit liefert, für die Aufzeichnung von Serien, die während einer längeren Abwesenheit gespeichert werden sollen. Der "Sechs-Stunden" Modus macht eigentlich nicht wirklich Spass, da die Qualität nur gering über die einer VideoCD liegt, wobei man berücksichtigen muss, daß insbesondere bei Live-TV-Aufnahmen im Interlaced-Format das verwendete MPEG-1 mit konstanter Bitrate gänzlich überfordert ist, und das Ergebnis eher zu Demozwecken dienen kann. Exemplarische Unterschiede zwischen den Qualitätsstufen zeigen die folgenden Abbildungen (link = HQ, rechts = SLP):

Dabei handelt es sich um einen Bildausschnitt, der während eines aktiven Zooms ausgeschnitten wurde (die etwas unscharfen Bereiche am Rand sind also durchaus dem Original entsprechend). Deutlich zu sehen ist der Verlust an Detailgenauigkeit und eine ansteigende Anzahl von Artefakten, die besonders in der dritten Stufe deutlich werden. Die vierte Stufe (SLP) wirkt auf den ersten Blick fast schon besser, was aber an der Tatsache liegt, daß diese progressiv im MPEG-1 Format encoded wurde, und somit keine Interlaced-Artefakte aufweisen kann. Dennoch ist sie noch um einiges unschärfer als Variante Nr. 3. Der Unterschied zwischen HQ und SP fällt vor allem bei Konturen auf, bei denen der SP Modus leichte Klötzchen produziert. Auch sieht man am o.g. Beispiel (Ellbogen), daß der SP Modus hier schon anfängt gröber aufzulösen. Der EP Modus ist in diesem Fall schon unerträglich schlecht, da er extrem viele Artefakte produziert, was im laufenden Film noch weniger auffällt, als bei den oben abgebildeten Standbildern.

Der Recorder nimmt, mit Ausnahme von SLP, im MPEG-2 VBR Modus bei unterschiedlichen Bitraten auf. Der Ton wird erfreulicherweise im Stereo-AC3-Format aufgezeichnet, was maximale Kompatibilität, sowohl für PAL als auch NTSC-Aufnahmen, gewährleistet. Allerdings erscheint die Gewichtung der Aufnahme-Qualitätsstufen ein wenig mager. So wäre es sicher besser, wenn der Player zwischen HQ und SP noch einen "90 Minuten-Modus" besitzen würde, denn ca. 6000 Kbits ist deutlich besser als die aktuelle SP Einstellung und in den meisten Fällen wahrscheinlich nicht direkt erkennbar vom HQ-Modus zu unterscheiden. Im HQ-Modus bleibt die Bitrate trotz VBR immer bei ca. konstanten 9000 Kbits, selbst wenn dem Recorder Standbilder geliefert werden. Die Quantisierung geht dann natürlich entsprechend runter, obwohl der MPEG-Encoder in solchen Fällen theoretisch einiges an Datenrate sparen könnte.

Einen sehr interessanten Effekt konnten wir während der verschiedenen Tests immer wieder feststellen. Der Recorder scheint im Aufnahme-Modus automatisch einen Rauschfilter anzuwenden, den man zunächst im HQ- oder SP-Modus weniger stark bemerkt. Auf den zweiten Blick aber verschwindet auch in den höchsten Qualitätsstufen ein gewisser Anteil Hintergrundrauschen, was sich in einigen Fällen sogar negativ auf die Bildqualität auswirkt. Je nach Bildmaterial kann es zu deutlicher Unschrärfe und vor allem verschwommenen Bewegungen kommen. Da sich dieser Effekt mit keiner uns bekannten Einstellung abschalten kann, ist das ein erheblicher Nachteil des Players, obwohl er eine grundsätzlich ordentliche Aufnahmequalität bietet. Im Endeffekt ist der Recorder somit nicht in der Lage im HQ-Modus praktisch exakte 1:1 Kopien anzufertigen, völlig unabhängig davon, ob das Rauschen nun gewünscht ist oder nicht.

Das abgebildete Beispiel zeigt eine typische verwaschene und verrauschte VHS-Aufnahme (Original links), und das Ergebnis einer HQ-Aufnahme (rechts). Zwar vermindert sich deutlich - und zwar schon zu deutlich - das Rauschen, doch Konturen werden verwaschen, Details verschwinden, und das Bild wirkt irgendwie unnatürlich. Bei solch einer Vorlage ist das Ergebnis - vor allem bei Bewegungen - extrem schlecht, und nicht akzeptabel. Doch auch bei sehr gutem Ausgangsmaterial macht sich der Filter negativ bemerkbar. So wirken ursprünglich lebendige Flächen - beispielsweise Gesichtsteile oder Wände - seltsam statisch und unnatürlich. Es bleibt zu hoffen, daß sich dieser Filter irgendwie per Software konfigurierbar machen lässt, und daß Umax sich der Tatsache bewusst ist, daß eine solche Funktion zwar den MPEG-2 Encoder entlastet, aber in einigen Fällen eine deutlich schlechtere Qualität liefert.

Einen (vorläufigen) Vergleichstest für Experten zwischen dem Yamada DVR-8000 und dem TEVION DWR-1000 gibt es hier. Bisher allerdings noch ohne Kommentare, und daher etwas unvollständig.

DVD-Dateiformate

Ein Blick auf das, vom Recorder erstellte, Dateisystem zeigt ein interessantes Bild. Das System des DVR-8000 scheint zu sein, die verschiedenen Aufnahme-Qualitätsstufen in den jeweiligen VIDEO_TS Titeln 1 bis 3 abzuspeichern, wobei die HQ und SP im ersten Titel (VTS_01) Platz finden. Die Größenangabe für VTS_01_1.VOB und alle anderen Titel im Dateibrowser ist allerdings falsch, was aber an der Abspielbarkeit der DVD auf dem PC oder DVD-Player nichts ändert. Lediglich diverse Ripper-Tools wie beispielsweise DVDShrink hatten mit einer derart aufgebauten DVD erhebliche Probleme, und verweigern zuweilen komplett die Annahme einer solchen Scheibe.

Scheiben-Kompatibilität

Daß das Laufwerk ein wenig allergisch auf verschiedene Medientypen reagiert wurde ja bereits erwähnt. Dies wird zusätzlich noch bestätigt, denn selbst in der anleitung befindet sich ganz am Ende eine Kompatibilitätsliste, in der schon ungewöhnlich viele DVD+RW Medien als nicht empfehlenswert deklariert werden. Im Folgenden die Liste als 1:1 Scan:

Firmware-Update

Umax bietet mittlerweile auch ein Firmware-Update sowie eine recht ausführliche FAQ auf der Homepage an. Die aktuell installierte Firmware lässt sich wie folgt ermitteln: Medium rausnehmen, Schublade schliessen. Warten bis NO DISC erscheint. Dann die Tasten 0-0-0-9 gefolgt von SELECT drücken. Es erscheint eine Info-Zeile, die unter anderem das Datum der Firmware beinhaltet.

Ein Update wird über eine ISO-CD gemacht. Dabei wird die Firmware, die als ZIP-Datei zum Download bei UMAX zur Verfügung steht, entpackt und auf eine solche ISO-CD gebrannt (kein Multisession!). Nach dem Einlegen der CD erscheint eine entsprechende Meldung, die man lediglich bestätigen muss:

Innenleben

Ein Blick ins Innere des Recorders zeigt, daß als Laufwerk ein Standard-Atapi Recoder des Typs ACTIMA ADRW-H00P verwendet wird. Es könnte sich dabei um ein, zum NEC 1100A baugleiches Modell handeln, weil es diesem PC-Brenner sehr ähnlich ist (Optik, Schublade, Medienverhalten etc). Ein Test mit einem Austauschlaufwerk, dem NEC 1300A, lief dann auch durchweg erfolgreich. Mit dem Einbau des 1300A liessen sich dann auch problematische DVD-Medien, bei denen das ACTIMA versagte, deutlich besser lesen, und aufnehmen war ebenfalls kein Problem. Aufgrund dieses Aufbaus lässt sich bei einem Laufwerksdefekt nach Ablauf der Garantie recht einfach und vor allem kostengünstig ein Ersatzbrenner einbauen, der dann sogar noch deutlich bessere Lese- und Schreibeigenschaften besitzt. Anmerkung: Das Aufnehmen von DVD-R oder DVD-RW ist trotz ND-1300A natürlich nicht möglich.

Damit der Recorder im Dauerbetrieb nicht zu heiss wird, hat Yamada dem Gerät einen relativ grossen Aussenlüfter spendiert, der sich allerdings nicht automatisch regelt, und im Wohnzimmerbetrieb durchaus deutlich deutlich zu hören ist. Immerhin dürfte der Recorder, im Gegensatz zum sehr eng gebauten SlimeLine Modell von TEVION auch im Sommer kaum Hitzeprobleme bekommen.

PluspunkteMinuspunkte

  • Gute Aufnahme- und Wiedergabequalität
  • Gute Anschlussmöglichkeiten
  • Relativ günstiger Preis
  • Erstellt kompatible DVD-Medien
  • Progressive-Scan fähig
  • Nimmt sowohl PAL als auch NTSC auf
  • Recht einfache Bedienung / Gutes OSD
  • Ansprechendes DVD-Auto-Menü
  • Aufnahme von AC3-Stereotonspuren
  • Maximale Qualität bei 9000 Kbits VBR
  • Codefree schaltbar
  • Brennerlaufwerk austauschbar

  • Fehlernder Netzschalter
  • Kein Time-Shifting
  • Etwas träge Bedienung
  • Keine manuelle Tonaussteuerung
  • Fehlende Zoom-Funktion
  • Keine fliessenden AudioCD-Übergänge
  • Nicht JPG- oder PictureCD fähig
  • Relativ schlechte Medienkompatibilität
  • Nicht abschaltbarer Rauschfilter
  • zu wenig Qualitätsstufen
  • keine DV-In und RGB Eingänge
  • Spartanische Tuner-Funktionen

Fazit:

Tja, von der optimalen Lösung des analogen Videorecorder Problems ist auch der Yamada DVR-8000 noch ein gutes Stück entfernt. Es gibt viele Dinge, die gefallen, aber auch einiges, was einfach nicht wirklich optimal gelöst wurde. Funktionell kann der Recorder einiges bieten, leistet sich aber auch ein paar Klöpse, die eigentlich nicht hätten sein müssen. So ist der nicht abschaltbare Rauschfilter, der jedem halbwegs versierten Videofreak die Haare zu Berge stehen lässt, fast schon ein k.o. Argument, wäre da nicht die insgesamt durchaus als gut bis sehr gut zu bewertende Aufnahmequalität im HQ und SP-Modus, sofern das Ausgangsmaterial hier mitspielt. Auch die Optik kann gefallen, leider aber nicht die träge Bedienung. Es gibt offensichtlich für jeden positiven Punkt auch ein entsprechendes Negativ, von denen einige wahrscheinlich nicht für jeden dramatisch sein dürften. Immerhin liefert der DVR-8000 für einen Preis von € 299,- ordentliche Leistung, die aber erst im direkten Vergleich zu ähnlich günstigen Recodern bis € 400,- richtig bewertet werden kann. Bis dahin bleibt der Eindruck gut, aber auch zwiespältig, weil man einfach das Gefühl nicht los wird, daß es mit relativ wenig Mehraufwand seitens des Herstellers bzw. der Firmware-Programmierer doch noch deutlich besser geht.


Links:

Hersteller: Umax / Yamada

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